Du verhältst dich wie ...!

Die meisten Leute, mit denen ich beruflich und privat zu tun habe, sind erwachsene Menschen.
Sie dürfen Alkohol kaufen und trinken, Auto fahren und R-rated Filme im Kino schauen. Sie haben die Möglichkeit wählen zu gehen und sie können Verträge abschließen.

Manchmal jedoch verhalten sie sich nicht vernünftig, überlegt, besonnen.
Dann reagieren sie trotzig, fluchen lautstark oder “wollen das Grüne nicht essen”. Für Argumente scheinen sie in diesen Momenten nicht zugänglich. Sie verhalten sich wie verärgerte Kinder.

Dieses Verhalten tritt nicht im luftleeren Raum auf, sondern zeigt sich meist in Interaktionen mit anderen. Wir reagieren aufeinander.
Wenn Alice Bob kritisiert, kann Bob grundsätzlich verschiedentlich darauf reagieren - so wie Alice ihre Kritik auch unterschiedlich formulieren kann.

Falls Alice sagt: “Du bist schon wieder zu spät, wann lernst Du denn endlich die Uhr?”, dann nimmt sie eine bestimmte Haltung gegenüber Bob ein: das kritische - und nachvollziehbar genervte - Eltern-Ich, das sich auf Regeln und Normen beruft und Bob maßregelt. Dies geschieht vor den anderen Kolleg_innen, vielleicht unbewusst aus dem Affekt heraus, vielleicht bewusst, um die Normen (“wir fangen hier pünktlich an, Verspätung wird geahndet”) zu bestärken.

Bob kann darauf sachlich und freundlich reagieren (Erwachsenen-Ich) oder mit langwierigen Entschuldigungen oder Ausflüchten - oder mit trotziger Aggressivität: “Ich schlafe halt lieber im Bett als in Deinem Meeting!” (Kind-Ich).

Ich-Zustände

In der Transaktionsanalyse werden Verhaltensweisen in Beziehungen bestimmten Ich-Zuständen zugeschrieben. Sie treten somit relational auf (in Beziehung zu anderen und situationsbezogen).
So mag Alice in einer spezifischen Situation aus ihrem kritischen Eltern-Ich auf Bobs Zuspätkommen reagieren, während sie in einer anderen Situation anders mit ihm interagiert. Sollte hingegen Eve verspätet sein, zeigt sich Alice vielleicht verständnisvoller, weil sie eine andere Beziehung zu ihr pflegt und andere Verhaltensmuster aktiv werden.

Zurück zu Alice und Bob. Beide sagen vermutlich im Rückblick, dass sie “da vielleicht etwas überreagiert” hätten. Doch was genau war da los?

Eine genauere Analyse der Verhaltensweisen und dahinterstehenden Selbstkonzepte ist hilfreich, um mit diesem Wissen die Kommunikation (besser) gestalten zu können.

Wenn Alice versteht, warum sie sich so verhält wie sie sich verhält (und dass sie sich Eve gegenüber anders verhält), begreift sie etwas Wesentliches über sich und ihre Strategien und deren mögliche Wirkung auf andere. Gleiches gilt für Bob. Welchen “Nutzen” hat sein Verhalten, welchen Nutzen hatte es vielleicht früher?
“Verhalten mag nicht immer hilfreich sein, es ist jedoch stets sinnhaft”, sagte kürzlich eine kluge Systemikerin. Zu diesem Verhalten gehören Strategien, die wir in früheren Lebensphasen entwickelten um mit herausfordernden (beängstigenden, schwierigen) Situationen umzugehen. Heute sind sie eventuell nicht mehr ganz so passend und hilfreich - und vielleicht sogar schädlich.

Das Verständnis der eigenen Automatismen ermöglicht auch ein Hinterfragen derselben und - im nächsten Schritt - die Entwicklung neuer Strategien und Verhaltensweisen.

Hierdurch können auch schwelende Konflikte und Irritationen aufgelöst werden, da sowohl das eigene Verhalten analysiert als auch der Blick für das Gegenüber geschärft wird.

Wenn ihr neugierig seid, wie wir euer Team oder eure Organisation dabei unterstützen können, klarer miteinander zu kommunizieren, meldet euch gern.